Facelift-Technik vs. Erfahrung des Chirurgen: Spielt die Technik wirklich eine Rolle?
Sind die Ergebnisse einer Facelift-Operation tatsächlich von der angewandten Technik abhängig, oder ist der Ansatz des Chirurgen entscheidender? In den letzten Jahren wird diese Frage insbesondere durch die zunehmende Popularität der sogenannten „Deep-Plane-Facelift“-Technik immer häufiger gestellt.
Wenn das Thema Gesichtsstraffung aufkommt, gehört die Frage „Welche Technik ist besser?“ zu den häufigsten Anliegen der Patientinnen und Patienten. Ja, die Wahl der Technik beeinflusst das Ergebnis, da jede Methode auf unterschiedlichen Gewebeschichten arbeitet und verschiedene Problemzonen adressiert.
Der Name der Technik allein garantiert jedoch kein gutes Resultat. Entscheidend sind vor allem die individuelle Gesichtsanatomie, die Art der Alterung (Erschlaffung vs. Volumenverlust), die Hautqualität sowie die Fähigkeit des Chirurgen, die gewählte Technik korrekt und sicher anzuwenden. Eine populäre Methode kann bei falscher Indikation oder mangelnder Erfahrung hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Heutzutage lassen sich Facelift-Operationen grob in „SMAS-basierte“ und „tiefere Ebenen“-Ansätze einteilen. Zu den am häufigsten verwendeten und etablierten Techniken zählen:
• SMAS-Plikation
• High SMAS (Hi-SMAS)
• MACS-Lift
• Deep-Plane-Facelift
Jede dieser Techniken bietet je nach Ausmaß der Erschlaffung, Beteiligung des Mittelgesichts, Narbenplanung und Art der Gewebeverlagerung unterschiedliche Vorteile. Es ist nicht korrekt zu sagen, dass eine einzige Technik für alle Patientinnen und Patienten geeignet ist.
Die SMAS-Plikation basiert auf dem Prinzip, die oberflächliche musculoaponeurotische Schicht (SMAS) zu straffen, indem sie gefaltet (pliziert) wird, ohne sie zu durchtrennen. Sie kann bei Patientinnen und Patienten mit milder Erschlaffung, insbesondere im unteren Gesicht und entlang der Kieferlinie, eine gute Option sein.
Der Vorteil liegt in einer natürlichen Straffung bei vergleichsweise begrenztem Eingriff. Bei ausgeprägter Absenkung des Mittelgesichts kann die Wirkung jedoch eingeschränkt sein. Eine sorgfältige Patientenselektion ist daher entscheidend.
Bei der High-SMAS-(Hi-SMAS-)Technik wird die SMAS-Schicht auf höherem Niveau gelöst und neu positioniert. Dieser Ansatz kann neben dem unteren Gesicht auch einen gewissen Effekt im Mittelgesicht erzielen.
Hi-SMAS kann bei geeigneten Patientinnen und Patienten einen stärkeren Lifting-Effekt und ausgewogenere Gesichtsproportionen bieten. Die Technik erfordert jedoch eine fortgeschrittene chirurgische Planung und Erfahrung. Ziel ist nicht ein „maximales Straffen“, sondern eine anatomisch respektvolle Repositionierung.
Das MACS-Lift (Minimal Access Cranial Suspension) ist eine Gesichtsstraffungstechnik mit kürzeren Schnitten, bei der die Gewebe vertikal suspendiert werden. Sie kann bei Patientinnen und Patienten mit früh- bis mittelgradiger Erschlaffung in Betracht gezogen werden.
Zu den Vorteilen zählen ein begrenzteres Operationsfeld und bei vielen Patientinnen und Patienten eine schnellere Rückkehr in den Alltag. Bei ausgeprägter Gewebesenkung kann die Methode allein jedoch unzureichend sein und sollte daher nicht primär wegen des Versprechens einer schnellen Erholung gewählt werden.
Das Deep-Plane-Facelift ist ein Ansatz, bei dem in tieferen anatomischen Ebenen gearbeitet wird. Dabei werden Haut und SMAS gemeinsam in einer tiefen Schicht gelöst und als Einheit neu positioniert.
Insbesondere bei ausgeprägter Absenkung des Mittelgesichts, tiefen Nasolabialfalten und deutlicher Wangenerschlaffung können sehr starke Ergebnisse erzielt werden. Die Technik ist jedoch anspruchsvoll und erfordert hohe Erfahrung; sie gehört daher nicht zum Standardrepertoire jedes Chirurgen.
In den letzten Jahren haben die Suchanfragen nach „Deep-Plane-Facelift“ insbesondere in den USA und Kanada aus mehreren Gründen zugenommen:
• Zunehmender Wunsch nach einem „natürlichen Facelift“
• Die Wahrnehmung einer effektiveren Mittelgesichtsstraffung
• Erwartung länger anhaltender Ergebnisse
• Verbreitung von Fallbeispielen in sozialen Medien
• Trend zu Vergleichen wie „SMAS vs. Deep Plane“
Beliebtheit bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Methode für alle die beste Wahl ist. Das Deep-Plane-Facelift kann bei richtiger Indikation hervorragende Ergebnisse liefern, birgt aber bei unnötiger Anwendung oder mangelnder Erfahrung auch Risiken.
Die Wahl der Technik hängt von mehreren Faktoren ab: dem Ausmaß der Erschlaffung, dem Bedarf an Mittelgesichtsanhebung, der Hautelastizität, dem Zustand des Halsbereichs sowie den Erwartungen der Patientin bzw. des Patienten.
Grob gesagt können bei begrenzter Erschlaffung weniger invasive Ansätze wie SMAS-Plikation oder MACS-Lift ausreichend sein. Bei ausgeprägter Mittelgesichtsabsenkung und höherem Lifting-Bedarf kommen Techniken wie Hi-SMAS oder Deep Plane in Betracht.
Der richtige Ansatz lautet dabei nicht „Patienten nach der Technik auswählen“, sondern „die Technik dem Patienten anpassen“.
Die Antwort ist eindeutig: Die beste Facelift-Technik ist jene, die der Chirurg am besten beherrscht und sicher anwenden kann.
Der Name der Technik allein entscheidet nicht über den Erfolg. Ein gelungenes Facelift ist das Ergebnis aus korrekter Patientenauswahl, sorgfältiger Planung, sinnvoller Technikentscheidung und der Erfahrung des Chirurgen. Ziel ist kein „gestrafftes Gesicht“, sondern eine harmonische, natürliche Verjüngung bei erhaltener Mimik.

Dr. Celal Alioğlu ist Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie. Er arbeitet in seiner eigenen Privatklinik. Als aktives Mitglied nationaler und internationaler Berufsverbände steht Dr. Alioğlu in ständigem Austausch mit seinen Kollegen und verfolgt aufmerksam die neuesten Entwicklungen in seinem Fachgebiet. Darüber hinaus nimmt er regelmäßig an nationalen und internationalen Kongresskursen teil, um sein Wissen und seine Erfahrung zu erweitern.
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